Mein Sexualleben

Shownotes

"Ja, dass ich trotz der Behinderung genau die gleichen Bedürfnisse habe, wie jeder. Und, dass ich auch keinen Ekel vor meinem Körper habe. Im Gegenteil, ich weiss, dass ich eine sehr schöne Frau bin"

Hier findest du mehr Infos zu Frau Ott: https://www.instagram.com/lebenwieduundich/

Hier findest du ihr Buch "Schreiben ist wie Fliegen": https://www.woerterseh.ch/produkt/schreiben-ist-wie-fliegen/

Hier findest du mehr Infos zum Verein "Leben wie du und ich": https://www.lebenwieduundich.ch

Hier ist der SRF Beitrag zum Thema "Leben mit Assistenz": https://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/leben-mit-assistenz?urn=urn:srf:video:10fad0cc-816c-408c-aefc-0f06ed132820

Transkript anzeigen

Meine Sexualität

I: Das ist Körperkontakt. Ein Podcast über Sex und Sexualität. Ich bin Medea und für dieses Interview konnte ich Frau Ott gewinnen. Sie ist Autorin und Mitbegründerin des Vereins Leben wie du und ich. Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an Sexualität denkst? #00:00:32

B: Nähe, Körperkontakt, Zärtlichkeit, Küssen, Streicheln, Berühren. #00:00:44

I: Johanna Ott ist eine Frau mit körperlicher Einschränkung. Sie lebt mit persönlicher Assistenz. Das heisst, sie bekommt persönliche Unterstützung im Alltag. Es gibt dazu einen Bericht vom SRF, den ich in den Infos zufolge verlinkt habe. Der Verein leben wie du und ich, unterstützt Menschen mit einer komplexen Behinderung in ihrem Bestreben, frei und normal und selbstbestimmt in der Gesellschaft zu leben.

Wie hat sich deine Sexualität entwickelt oder verändert in deinem Leben? #00: 01:25

B: Nicht so gut, ehrlich gesagt. Ich komm weniger zu Sex. Die Männer sind auch nicht mehr so offen wie früher, Irgendwie. Leider. #00:01:49

I: Mh. Welche Vorteile hast du, im Bezug auf deine Sexualität? #00:01:55

B: Eigentlich gar keine. #00:02:01

I: Du hast vorhin im Vorgespräch gesagt, du. Für dich hast du, ist es eigentlich immer deine Sexualität dagewesen. Hast du dort, die Sexualität für dich, hast du dort eine Veränderung bemerkt. #00:02:14

B: Ja, dass ich sie nicht richtig leben kann, leider. #00:02:26

I: Was würdest du mehr leben wollen? #00:02:29

B: Ja, Sex haben mit Männern. Früher hatte ich einen Assistent, der das sehr gut gemacht hat. Mit ihm habe ich regelmässig Männer kennengelernt und hatte auch richtigen Sex. #00:03:11

I: Was sind sonst Möglichkeiten für dich, Männer kennenzulernen? #00:03:22

B: Ja, eigentlich nur in der Assistenz selber, bis jetzt. #00:03:42

I: Und eine Art Plattform oder eine App? #00:03:49

B: Das hab ich alles mal probieren, das bringt nix. #00:04:00

I: Was hat dann dort gefehlt für dich? #00:04:18

B: kein Treffen. Und immer ,wenn ich richtig ernst wollte, hat er aufgehört. #00:04:18

I: Gibt es viele Plattformen für Menschen mit einer körperlichen Einschränkung, um sich kennenzulernen? #00:04:26

B: Ich glaube nicht so. #00:04:29

I: Und wird das von, zum Beispiel eben Treffs oder anderen Einrichtungen, wird das gar nicht so kommuniziert? #00:04:36

B: Nein, weniger. #00:04:39

I: Fühlst du dich und deine Sexualität, in den Medien repräsentiert? #00:04:44

B: Nein. #00:04:46

I: Hast du das Gefühl, durch mehr Repräsentation, würde auch, würden eben Angebote viel mehr entstehen? #00:04:53

B: Ja. #00:04:55

I: Und welche Medien, hast du das Gefühl, wären am passendsten? #00:05:04

B: Ich weiss es nicht. #00:05:04

I: Welche Medien nutzt du, in deinem Leben, um dich, um dich zu informieren über deine Sexualität. #00:05:13

B: Nicht so viele. #00:05:18

I: Was wäre für dich vielleicht am angenehmsten, zu nutzen? #00:05:24

B: Vielleicht Zeitungen oder Internet. #00:05:32

I: Was würde viele über deine Sexualität erstaunen? #00:05:42

B: Ja, dass ich trotz der Behinderung, eigentlich genau die gleichen Bedürfnisse habe wie jeder. Und, dass ich auch kein Ekel von meinem Körper hab. Im Gegenteil. Ich weiss, dass ich eine sehr schöne Frau bin. #00:06:24

I: Was meinst du wohl über sollte mehr gesprochen werden? #00:06:28

B: Die nicht behinderten Leute haben mehr Sex und sie sollten auch mehr Sex mit behinderten Menschen haben. #00:06:49

I: Was denkst du, schreckt die meisten, eben nicht behinderten Menschen davon ab, mit behinderten Menschen Sex zu haben? #00:06:57

B: Vielleicht das sie mich nicht verstehen. Oder Angst vor den Bewegungen meines Körpers. #00:07:17

I: Kennst du, ehm, den Beruf, der Berührer: In oder der Sexuelbegleiter: In? #00:07:25

B: Ja, das hab ich auch schon ausprobiert. . #00:07:30

I: Und, wie war das für dich? . #00:07:33

B: Leider nicht so gut. . #00:07:38

I: Darf ich fragen, was das Problem war oder was dir nicht gefallen hat? #00:07:44

B: Weil ich wollte das lieber von einem richtigen Mann. Und von jemandem, in den ich wirklich verliebt bin. #00:08:02

I: Denkst du, es sollte auch einfach mehr in eine inklusive Partnersuche investiert werden? #00:08:08

B: Ja #00:08:10

I: Also denke allgemein kann man ja sagen, dass die Welt nicht sehr inklusiv ist. Welche Orte, hast du das Gefühl sind für dich am inklusivsten. #00:08:21

B: Zum Beispiel eine Disco. #00:08:28

I: In welche Disco gehst du am liebsten? #00:08:32

B: Plaza. Oder extra. #00:08:40

I: Triffst du so viele Leute mit einer Behinderung an? O der sind es vor allem Menschen ohne Behinderung? #00:08:46

B: Ohne Behinderung. Ich bin die einzige. #00:08:55

I: Und fühlst du dich dann ausgestellt oder hast du das Gefühl, ein bisschen in der Menge verschwinden zu können? #00:09:03

B: In der Menge. #00:09:06

I: Was ist dir wichtig, dass man das anspricht? Jetzt im Bezug auf deine Sexualität. #00:09:18

B: Eben, dass die Menschen auch offen sind, den behinderten Menschen gegenüber. Das sie das zumindest mal ausprobieren. Bevor sie urteilen. #00:09:45

I: Welche Repräsentation wünschst du dir? #00:09:48

B: Vielleicht mal ein Bericht im Fernsehen, oder so. Mal im Radio auch. #00:10:03

I: Also spezifisch zu Sexualität oder allgemein, Beeinträchtigung? #00:10:08

B: zu Sexualität. #00:10:010

I: Was wäre da für dich besonders wichtig zu erwähnen, wenn es jetzt zum Beispiel um eine breitere Masse geht, wie eben im Radio oder im Fernsehen? #00:10:21

B: Dass die Leute doch bitte mehr offen sind gegenüber, behinderten Menschen gegenüber. #00:10:36

I: Kannst du mir noch eine Beeinträchtigung erklären? #00:10:45

B: Ich bin seit Geburt so. Ich habe eine Zerebralparese. #00:11:00

I: Und wie nimmst du die Welt war? #00:11:03

B: Sehr gut. #00:11:07

I: Das ist für dich, das was dir am meisten an einem anderen Menschen auffällt? #00:11:12

B: Die Schönheit. Innere und äussere. #00:11:25

I: Wie möchtest du, dass man auf dich zukommt? #00:11:28

B: Offen. #00:11:31

I: Sagen wir mal, wir wären jetzt in einem, irgendeinem Club, im Platz zum Beispiel. Wie möchtest, du dass man dort auf dich zukommt, wenn man jetzt zum Beispiel die helfen möchte oder fragen möchte, wie es dir geht. #00:11:48

B: Auch offen. #00:11:53

I: Und wenn jetzt der Klub so laut ist, dass man einander schon fast gar nicht hört, was ja oft passiert. Was ist für dich am einfachsten zu kommunizieren? #00:12:06

I: Mit den Augen. Oder ich wiederhole, wenn man mich nicht versteht. #00:12:26

B: Das muss ich manchmal auch, ja. #00:12:29

I: Hast du ein gutes Gefühl, wenn du in die Zukunft schaust? Hast du das Gefühl, es wird sich viel verändern? #00:12:36

B: Ich hoffe. Das hoffe ich sehr. #00:12:44

I: Ich hoffe es auch, ja. Ja, Vielleicht bringt dieses Interview, diese Podcast Folge etwas. Also ich bin sehr, sehr dankbar, dass du dich gemeldet hast und zugestimmt hast. #00:12:58

B: Gern. #00:13:00

I: Das bringt hoffentlich schon sehr viel und einfach zu zeigen, das wir alle irgendwo durch gleich sind. Oder eben nicht.

B: Dann danke ich dir ganz fest. #00:13:23

I: Sehr gern. #00:13:26

I: Falls ihr mehr zu Frau Ott wissen möchtet, findet ihr in den Infos zufolge sowohl einen Link zu ihr, zu ihrem Buch, wie auch zu Ihrem Verein leben wie du und ich. Das war die 3. Folge Körperkontakt, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. #00:13:50

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.